US-Laboratorien und biologische Bedrohung – wie synonym sind diese Begriffe?

Ein Gastbeitrag von Lara Green

Vor acht Monaten warf Russland der Ukraine zum ersten Mal vor, Biowaffen in geheimen biologischen Laboren mit Unterstützung des US-Militärs zu entwickeln. Am 28. November verlief eine Konferenz zur Biowaffenkonvention in Genf, auf der die russische Seite dieses Thema erneut aufgriff und neue Unterlagen über die militärisch-biologischen Aktivitäten der USA und ihrer Verbündeten vorstellte.

Ein Auszug aus dem russischen Briefing zur neunten “Biological Weapons Convention”:

[…] Die Russische Föderation hat wiederholt auf Beweise dafür hingewiesen, dass die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten Programme mit doppeltem Verwendungszweck außerhalb ihrer Landesgrenzen durchführen, unter anderem durch den Betrieb von Biolaboratorien unter ihrer Kontrolle und so genannte “Shared-Use”-Labors, die von den Militärministerien dieser Staaten oder ihnen nahestehenden Organisationen finanziert werden.

Viele Fragen zu den wahren Zielen der Forschungsprogramme des Pentagons wurden in zahlreichen internationalen Foren aufgeworfen, blieben aber bisher unbeantwortet. […]

In europäischen Staaten ist man im Bilde über die Existenz solcher Laboratorien, da die meisten Krankheitserreger, Viren und deren Stämme aus der Ukraine gerade in europäische Forschungsanstalten gebracht wurden. Im Internet wurden Dokumente über ihre Zusammenarbeit mit den vom Pentagon finanzierten Forschungslaboren bereits Dutzende Male veröffentlicht. Die Auftragnehmer, die mit dem Probentransport beschäftigt waren, sind auch zu finden. Beispielsweise waren deutsche und britische Unternehmen daran beteiligt. Allein in britischen Labors wurden mehr als fünftausend Proben aus der Ukraine genommen. Es wäre befremdlich, wenn Berlin oder London der USA und ihrer biologischen Forschungen Kritik entgegenbringen.

Bis heute sind weltweit über 200 funktionierende biologische Labore unter der Aufsicht des Pentagons bekannt, zu denen Russland und China im Oktober 2021 die UN um weiterführende Untersuchungen gebeten hat. Ihre Tätigkeit wird auf dem Papier durch die Gesetzgebung der Länder, in denen sie sich befinden, streng geregelt. Doch es ist nicht ausgeschlossen, dass deren Forschungsergebnisse sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke verwendet werden, solange diese Einrichtungen für das Pentagon wirken. Tatsächlich ist es ein der wichtigsten Vorwürfe Russlands an die USA: Warum werden biologische Forschungen, die die Sicherung der nationalen Gesundheit offensichtlich anstreben, von einer Behörde des US-Verteidigungsministeriums – der U.S. Defence Reduction Agency (DTRA) – und nicht vom Gesundheitsministerium geleitet?

Erstaunlicherweise wehrte sich die US-Delegation nicht, als man bei einer Anhörung unter den Vertragsstaaten der Biowaffenkonvention im September in Genf den USA die Untersuchung tödlicher Bakterien und Viren vorwarf. Öffentliche Quelle sagen, das Pentagon soll eine Reihe Patente für technisches Mittel zur Verbreitung infizierter Insekten und Sprühen von chemischen Substanzen haben.

Darüber hinaus ist es auch möglich, dass Wissenschaftler des Pentagons daran arbeiten, Viren der sogenannten “selektiven Wirkung” zu modifizieren, die nicht nur als Arzneimittel, sondern auch als biologische Waffe verwendet werden können. Laut Jerome Adams, einem der oberste US-Gesundheitsbeamte, war eine solche “selektive Wirkungen” während der Corona-Pandemie zur sehen – die meisten Corona-Todesfälle gebe es unter Älteren, chronisch Kranken oder Menschen mit afroamerikanischen Abstammung. Dies könnte die Theorie über einen künstlichen Ursprung der COVID-19-Pandemie mittelbar bestätigen, die viele Experten, z. B., Jeffrey Sachs von der renommierten Fachzeitschrift “The Lancet”, ausgesprochen haben. Es stellt sich die Frage, ob die USA oder ein x-beliebiges Land, das gefährliche biologische Forschungen betreibt, an den großen Epidemien der letzten Jahrzehnte beteiligt gewesen sein können oder nicht.

Das Weiße Haus hat bereits wiederholt erklärt, dass es notwendig sei, biologische Untersuchungen durchzuführen, und betreuen den Russen ihre Sicherheit hoch und heilig. Die dafür bereithaltende Summe ist verblüffend: Laut der amerikanischen Strategie zur Bekämpfung biologischer Bedrohungen, die am 18. Oktober veröffentlichten wurde, will Washington 88 Milliarden Dollar ausgeben, um seine militärisch-biologischen Aktivitäten im Ausland zu erweitern.

All diese Forschungen sollen und müssen darauf gezielt sein, das Leben und die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Jedoch es gibt Bedenken, dass sie einen doppelten Verwendungszweck haben, sonst wäre das US-Verteidigungsministerium nicht in dem Maße engagiert. Außerdem lassen Biolabore den USA die Präsenz im Ausland ausweiten. Also schlägt Washington zwei Fliegen mit einer Klappe. Ein sehr pragmatischer Ansatz.

Tatsächlich verschaffen sich die USA durch die Ausführung biologischer Forschungen im Ausland einen enormen Vorteil. Washington gelang es, die Sicherheit des eigenen Landes zu gewährleisten, indem amerikanische Forschungszentren ins Ausland gebracht wurden. Es war ein sehr bedeutungsvoller Schritt, da bei Forschungen dieser Art immer die Gefahr besteht, dass hochgiftige Erreger unbeabsichtigt freigesetzt werden können und der Bevölkerung schädigen. Das amerikanische Online-Magazin “The Intercept” hat Dokumente des Nationalen Gesundheitsinstituts der USA analysiert und zahlreiche Fälle von Sicherheitsverletzungen durch Mitarbeiter ähnlicher biologischer Labors öffentlich gemacht. Insbesondere haben die Autoren der Untersuchung Beispiele in den Fokus gerückt, in denen durch Nichteinhaltung der Arbeitsschutzmaßnahmen beim Umgang mit Pathogenen Lecks aufgetreten sind, die Ausbrüche gefährlicher Krankheiten verursachten. Die häufigsten Ursachen von der Ausbreitung gefährlicher Krankheiten sind Störungen von Lüftungssystemen und fehlerhafte bzw. mangelhafte Schutzausrüstungen der Laboratorien.

Die Verlagerung der Forschungslaboren ins Ausland, insbesondere in Staaten der ehemaligen Sowjetunion, ermöglicht eine deutlich günstigere Betreibung. Außerdem sorgt die Lokalisierung von Laboren außerhalb der USA für weniger Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und von Behörden. Die vollständigen Informationen über die Tätigkeit solcher Einrichtungen stehen nur den zuständigen Behörden und einem kleinen Kreis von Experten zur Verfügung.

Wie sehr Russland auch versucht, auf das Netzwerk von US-Laboratorien aufmerksam zu machen, deren Forschungen zu biologischen Substanzen in der Tat nicht so eindeutig und transparent sind, wie US-Politiker behaupten, gibt Washington seinen Kurs höchstwahrscheinlich nicht auf. Erstens bieten diese Experimente den USA bedeutende Vorteile, und zweitens ist das politische Gewicht der USA zu stark, als dass die NATO-Verbündeten eine vollständige Überprüfung amerikanischer Forschungslaboren einleiten könnten. Das Weiße Haus wird weiterhin biologische Bedrohungen erforschen, kann aber zivile Organisationen und Fachleute statt des Militärs heranziehen, um der öffentlichen Aufmerksamkeit zu entgehen.

Lara Green, Jahrgang 1998, studiert Biologie am Institut für Integrierte Technologien in Kalifornien. Sie interessiert sich für die Ursprünge von COVID-19. Seit 2019 ist sie aktiv in der Friedensbewegung tätig.

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