Die Politik der natürlichen Corona-Infektion

Jeffrey A. Tucker ist Gründer und Präsident des Brownstone Institute und Autor vieler tausend Artikel in der wissenschaftlichen und populären Presse sowie zehn Büchern in fünf Sprachen. Er hält zahlreiche Vorträge zu Themen der Wirtschaft, Technologie, Sozialphilosophie und Kultur.

Von Beginn der Corona-Pandemie an war das Thema der natürlichen Infektion ein Tabu. Die Behauptung, dass es für jeden besser gewesen wäre, eine Infektion zu riskieren und dadurch eine Immunität gegen ein Atemwegsvirus zu erlangen, als sich zwei Jahre lang unter dem Sofa zu verstecken, wurde als unverschämt und unverantwortlich angesehen.

Meine Theorie ist, dass der Grund dafür immer ein politischer war. Und das ist tragisch.

Die Strategie, vor allen Krankheitserregern zu fliehen und sie zu vermeiden, ist zutiefst gefährlich. Das Immunsystem muss, um für den Schutz vor schweren Krankheiten trainiert zu zu sein, beschäftigt werden. Natürlich nicht mit allen Dingen, aber gegenüber vielen Krankheitserregern, die nicht endgültig schwächend oder tödlich sind. Wir befinden uns mit Krankheitserregern in einem, wie Sunetra Gupta es nennt, “gefährlichen Tanz”. Dieser Tanz ist unvermeidlich, insbesondere bei schnell mutierenden Viren wie SARS-CoV-2.

Und doch scheint dieses Wissen verloren gegangen zu sein. Das ist äußerst peinlich, denn es ist seit 2 500 Jahren bekannt. Es ist sogar schlimmer als nur verloren. Als jemand, der während der Pandemie fast täglich geschrieben hat, habe auch ich mich davor gehütet, dieses Thema allzu unverblümt zu diskutieren. Wir alle spürten den politischen Druck, zu schweigen oder zumindest unsere Prosa mit Euphemismen zu verschleiern.

Der umstrittenste Satz der Great-Barrington-Erklärung war dieser: “Der mitfühlendste Ansatz, der die Risiken und Vorteile des Erreichens der Herdenimmunität ausgleicht, besteht darin, denjenigen, die nur ein minimales Todesrisiko haben, ein normales Leben zu ermöglichen, um durch natürliche Ansteckung eine Immunität gegen das Virus aufzubauen, während diejenigen, die am stärksten gefährdet sind, besser geschützt werden.”

Dieses Gerede über den Aufbau von Immunität hat die Menschen in den Wahnsinn getrieben, als ob es niemandem irgendwie erlaubt wäre, eine feststehende wissenschaftliche Wahrheit auszusprechen. Doch lange bevor Fauci anfing, so zu sprechen, als sei eine Infektion das schlimmstmögliche Schicksal, war er ehrlicher.

Sogar ich wusste (von dem, was ich in der 9. Klasse gelernt habe und was meine Mutter mir beigebracht hat), dass die Pandemie nur dann enden würde, wenn die Endemie auf natürliche Weise eintritt. Und genau das geschieht jetzt. In der CDC-Publikation MMWR wurde eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass die Seroprävalenz von Dezember 2021 bis Februar 2022 – also in dem Zeitraum, in dem es so aussah, als wäre jeder Mensch auf der Welt mit Corona infiziert – von 33,5 % auf 57,7 % stieg. Bei Kindern stieg sie von 44,2 % auf 75,2 %. Sie ist jetzt in beiden Gruppen höher.

Die Tatsache, dass die Studie nicht wirklich beachtet wird, zeigt, dass wir uns schnell auf das Ende der Pandemie zubewegen. Und wie? Nicht durch eine Impfung, die weder vor einer Infektion noch vor einer Übertragung schützt. Es endet damit, dass jeder auf das Virus trifft. Natürlich gibt es bei diesem Virus einen gewissen Schwellenwert für die Herdenimmunität, der jedoch mit jeder Mutation ansteigt und immer mehr Infektionsrunden erfordert, um ihn zu erreichen. Sie liegt sicher über 70 %, aber wahrscheinlich unter 90 %, abhängig von der Mobilität der Bevölkerung und anderen Faktoren.

Wir können uns diese Daten heute ansehen und uns fragen: Was wäre, wenn es keine Lockdowns gegeben hätte? Was wäre, wenn wir das Leben normal weitergeführt und die Menschen in den Risikokategorien dazu angehalten hätten, ein wenig zu warten, bis wir die Endemie erreicht haben? Hätten wir schneller das Ziel erreicht? Wäre es vielleicht schon im Sommer 2020 vorbei gewesen?

Das ist möglich. Es ist schwer, solche kontrafaktischen Daten genau zu bestimmen, aber es scheint sehr wahrscheinlich, dass die Lockdowns nichts Gutes bewirkt, enormen Schaden angerichtet und die Pandemie unnötig verlängert haben. Außerdem haben sie das Immunsystem aller geschwächt: Wir haben nicht nur Corona vermieden, sondern auch alle anderen Krankheitserreger.

Und der Hauptgrund dafür war die mangelnde Bereitschaft der Gesundheitsbehörden, über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu sprechen. Als Fauci im September 2021 zur natürlichen Immunität befragt wurde, sagte er: “Ich habe keine wirklich konkrete Antwort für Sie dazu. Das ist etwas, das wir im Hinblick auf die Dauerhaftigkeit der Reaktion diskutieren müssen. […] Ich denke, das ist etwas, das wir ernsthaft diskutieren müssen.”

Die WHO änderte sogar ihre Definition der Herdenimmunität, um die natürliche Infektion als Faktor auszuschließen! Die gesamte Institution hat sich dem Verkauf von Impfstoffen hingegeben, die auf wilden Übertreibungen ihrer Wirksamkeit beruhen, während sie eine robuste und breite Immunität durch Exposition so gut wie leugnet.

Ein wichtiger politischer Faktor der natürlichen Immunität ist, dass sie keine totalitäre Kontrolle durch die Regierung erfordert, um ein Virus zu stoppen. Sie setzt das Funktionieren einer normalen Gesellschaft voraus. Die Regierung wollte alle Macht und setzte sie ein, um das Virus zu stoppen. Wissenschaft kam daher nicht in Frage, sondern wurde von Anfang bis Ende durch politische Propaganda ersetzt.

Es ist nicht allgemein bekannt, dass die US-Politik von Anfang an einen Zero-Covid-Ansatz akzeptierte und verfolgte. Das hat sich im Laufe der Zeit als undurchführbar herausgestellt. Trumps eigene Berater haben ihm vorgegaukelt, dass er das genauso erreichen könne wie Xi Jinping. Er fiel darauf herein und drängte zwei Wochen lang darauf, die Kurve abzuflachen, in dem Glauben, dass das Virus dadurch verschwinden würde. Seine Rhetorik an diesem Tag bereitete den Boden für mehr als zwei Jahre völligen Unsinns.

Und jetzt, nach all dieser Zeit, geben die Schlagzeilen endlich zu, was von Anfang an hätte klar sein müssen: Ein Virus, das so weit verbreitet ist, endet mit einer natürlichen Immunität. Hier ist die Schlagzeile von Bloomberg:

Bloomberg Schlagzeile: "How Often Do We Have to Get Covid to Stop Getting Covid?"
Bloomberg Schlagzeile, übersetzt: “Wie oft müssen wir Corona bekommen, bis wir Corona nicht mehr bekommen?”. Quelle: Bloomberg

Der Rest des Artikels zielt darauf ab, diese Kernaussage zu widerlegen. Wir sind immer noch nicht bereit, uns der schrecklichen Realität zu stellen, dass die Lockdowns nichts gebracht und dass die Impfstoffe die Pandemie nicht beendet haben. Das Tabuthema der Begegnung mit dem Virus ist heute noch immer das, was es vor 30 Monaten war – fast unaussprechlich.

Meine Theorie ist, dass dies ausschließlich politische Gründe hat. Sie heckten einen wilden Plan aus, um ein Virus zu bekämpfen, das kommen und gehen würde wie alle anderen Viren in der Geschichte, und deshalb mussten sie so tun, als seien ihre Bemühungen für die große Aufgabe unerlässlich. Das waren sie aber nie. Das ist die bittere Realität.

Wenn man über dieses Thema der Exposition und Immunität nachdenkt, kommt man schließlich zu der Erkenntnis, dass wir keine zentralisierte Kontrolle, keinen Zwang und keine diktatorische Macht brauchen, um eine Pandemie zu bewältigen. Pandemien sind unvermeidlich, aber sie bewältigen sich weitgehend selbst, während die bestmöglichen Ergebnisse auf der Intelligenz des Einzelnen beruhen, der seine Entscheidungen auf der Grundlage seiner eigenen Risikobewertung trifft. (Es kommt mir vor, als würde ich eine Version dieses Satzes schon seit 33 Monaten schreiben.)

Und damit sind wir bei dem großen Problem, das wir heute haben. Die Leute, die uns das angetan haben, haben keinen Fehler zugegeben und werden es wahrscheinlich auch nicht. Trotz aller Misserfolge bereiten sich dieselben Personen auf eine weitere Runde von Lockdowns vor, die einmal mehr auf der Ideologie beruhen, dass das schlimmste Schicksal für jeden darin besteht, sich einem Virus auf natürliche und tapfere Weise zu stellen.

Denken Sie einmal darüber nach: Unsere Herren und Meister sagen, dass unsere einzige Wahl angesichts eines weit verbreiteten Krankheitserregers darin besteht, uns zu verstecken, keine Partys zu feiern, die Kinder nicht zur Schule zu schicken, nicht in die Kirche zu gehen, nicht zu arbeiten, nicht zu reisen und stattdessen einfach darauf zu warten, dass sie ein schickes Serum herstellen, das wir uns in die Arme spritzen können und das wir akzeptieren müssen, ob wir wollen oder nicht.

Kurz gesagt: Eine Regierung, die versucht, die Ausbreitung von Krankheitserregern zu kontrollieren, ist eine Regierung mit totalitärer Macht, die weder Menschenrechte noch Freiheiten kennt.

Quelle: “The Politics of Natural Infection” von Jeffrey A. Tucker für Brownstone Institute

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